Happy Birthday – Mein Diabetes wird 20 Jahre alt
Fast auf den Tag genau 20 Jahre ist es nun her, seit bei mir der Typ1 Diabetes diagnostiziert wurde. Damals war ich 10 Jahre alt. Eigentlich habe ich aber das Gefühl, ich hätte die Krankheit schon immer gehabt, denn an vordiabetische Zeiten kann ich mich nicht wirklich erinnern.
Als also der Arzt 1990 meinte ich müsse auf der Stelle ins Krankenhaus (heute wird das ja oft schon alles ambulant gemacht), da wusste ich mit dem Begriff Diabetes oder Zuckerkrankheit überhaupt gar nichts anzufangen, allerdings änderte sich mein Leben schlagartig von einen Tag auf den anderen. Ich musste nun mehrmals am Tag in den Finger pieken um Blutzucker zu messen und mir mehrmals täglich eine Nadel (12mm und eindeutig dicker als heute) in Bauch oder Bein jagen. Man musste sogar noch richtig mit Spritze aus der Ampulle aufziehen, nix mit Pen oder Pumpe….! Süßigkeiten wurden entweder komplett vom Speiseplan gestrichen oder durch scheußlich schmeckende Diabetiker Produkte ersetzt. Diät und Disziplin wurden groß geschrieben.
Für die meisten Kinder im Grundschulalter sicher nicht einfach. Ich hatte allerdings nie wirklich ein Problem mit der Krankheit klar zu kommen, ich denke viel schlimmer war die Diagnose für meine Eltern. Klar, ich war plötzlich anders als die anderen. Auf Kindergeburtstagen durfte ich nicht von der leckeren Schokotorte essen sondern brachte meinen eigenen von Mutti gebackenen Diabetikerkuchen mit, beim Negerkusswettessen musste ich leider auch passen und Cola gab es erst recht nicht. Bei schlechten Blutzuckerwerten gab es auch mal nur Gurken oder Tomaten, damit ich den anderen nicht beim Essen zusehen musste. Außerdem musste ich mich streng an meine Mahlzeiten und Mengen halten. Sieben kleine Portionen pro Tag und immer zu einer festgelegten Uhrzeit. In der Schule durfte ich von nun an also auch im Unterricht essen und trinken. Worum mich meine Mitschüler beneideten, fand ich eher blöd, denn ich fühlte mich immer irgendwie beobachtet wenn die anderen mir die Happen in den Mund zählten. Da hat der klumpige Diabetikerjoghurt erst recht nicht mehr geschmeckt.
Mein Blutzuckermessgerät hatte die Ausmaße von einem Päckchen Butter, auf das Ergebnis musste man ganze 2 Minuten warten und man benötigte einen richtig fetten Tropfen Blut.
Trotzdem habe ich mich nie irgendwie benachteiligt oder ausgegrenzt gefühlt. Für einige Menschen mag es schlimm klingen, wenn ein Kind plötzlich an Diabetes erkrankt. Ich denke aber, es ist einfacher als Kind mit der Krankheit klar zu kommen, als wenn man Diabetes erst im Jugendalter oder im Erwachsenenalter bekommt.
Zum Glück hat sich in den letzten 20 Jahren einiges getan. Die Therapie ist um einiges einfacher und auch die strengen Diätvorschriften von damals sind heute längst überholt.
Happy Birthday Diabetes!
Ilka

© Ilka G.
Auch von mir alles Gute!!
Mein Diabetes hat auch einen Geburtstag. Er ist nur etwas jünger. Ich feiere ihn zwar nicht, aber ich denke an dem Tag natürlich auch dran.
Ich denke, es ist immer ein Rieseneinschnitt, ob als Kind oder als Erwachsener. Das Leben wird einfach deutlich komplizierter, egal, welche Fortschritte die Therapie mittlerweile gemacht hat.
Ich wünsche Euch beiden alles Gute
)