Insuline vertauscht – folgenschwere Unterzuckerung

Wenn Sie mich verwirrt, benommen oder bewusstlos finden, geben Sie mir Traubenzucker und verständigen Sie einen Arzt. So oder ähnlich steht es auf dem Notfallausweis, den jeder Diabetiker bei sich tragen sollte.
Bisher habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie sich wohl jemand fühlt, der einen stark unterzuckerten Diabetiker findet, der dringend fremde Hilfe benötigt.
Aber genau diese Erfahrung musste ich am letzten Wochenende machen…!

Insuline vertauscht - folgenschwere Untezuckerung
© extranoise

In den frühen Morgenstunden in der Nacht zum Sonntag wurde ich unsanft durch einen Hieb in die Rippen aus dem Schlaf gerissen. Erst wollte ich mich einfach wieder umdrehen und weiterschlafen, aber dann bemerkte ich, dass etwas neben mir im Bett nicht stimmte.
Als ich das Licht anknipste sah ich, dass Finn völlig apathisch mit starrem Blick schweißgebadet da lag, krampfte und unkontrolliert um sich schlug. Er war nicht ansprechbar, aber zum Glück noch bei Bewusstsein! Aus der Küche holte ich schnell alles was süß, ess- oder trinkbar war.
Da ich auf die Schnelle und vor Nervosität vorerst keinen Traubenzucker fand, gab ich ihm als erstes ein großes Glas Apfelsaft und einige süße Weintrauben, die er erst nur kaute, aber nicht schlucken wollte. Nachdem ich dann Gott sei Dank doch noch Traubenzucker fand, den ich ihm in den Mund steckte, kam Finn langsam etwas zu sich, wusste aber offenbar weder wo er sich befand, noch wer ich war. Da er jetzt aber etwas ruhiger war, schaffte ich es seinen Blutzucker zu messen, der nach 3 BE Traubenzucker, einem Glas Apfelsaft und einem Glas Kirschsaft erst bei 29mg/dL lag.
Und dann ging alles ganz schnell. Finn verschlang alles Essbare was ich auf die Schnelle alles ans Bett getragen hatte, wobei er auch nicht zu bremsen war.

Nach knapp 15 Minuten war er wieder "voll da", aber ohne Erinnerung an das, was eben passiert war. Der Blutzucker lag jetzt bei 58mg/dL, und Finn fragte mich tatsächlich mit einem gereizten Unterton, ob ich ihm denn nicht mal ein paar BEs geben wolle….. ?!?! Was er kurz zuvor alles verschlungen hatte, hatte er bereits vergessen!
Nach einer guten halben Stunde war der Spuk zum Glück vorbei, Blutzucker 115mg/dl, aber der Schreck saß mir dennoch in den Knochen. Darüber, wie es ausgegagen wäre wenn ich an diesem Wochenende nicht in Hamburg gewesen wäre, möchte ich lieber nicht nachdenken…..!

Die Ursache für diese starke Hypo war schnell gefunden. Finn hatte am Abend seine Pens vertauscht, und statt dem Langzeitinsulin 23 Einheiten Kurzzeitinsulin gespritzt.

Die Bilanz dieser unruhigen Nacht:

1 Glas Apfelsaft 1,5 BE
Traubenzucker 3 BE
Weintrauben 2,5 BE
½ Glas Süßkirschen + 1 Glas Kirschsaft 4 BE
2 Stück Marmorkuchen 3 BE
1 Fruchtschnitte 1 BE
1 Brötchen mit Marmelade 2 BE
1 Milchreis mit Schokosoße 3 BE

+ die Erkenntnis, dass es mit einer Glucagonspritze um einiges schneller und einfacher gewesen wäre!!!

Eure Ilka


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One Response to “Insuline vertauscht – folgenschwere Unterzuckerung”

  1. Josef sagt:

    Hallo,

    ohhhh du heilige Scheibe. Mit dem Hypo Kit wäre es wesentlich schneller gegangen, ja. Und vor allem es wäre nicht ganz so aufregend geworden. Aber man lernt nie aus.

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